Wasserradar

Wie wir dem Plastikmüll begegnen

von Katharina Trautvetter
Auf Wanderschaft: Achtlos in die Natur entsorgter Müll kann über die Flüsse ins Meer gelangen.

Auf Wanderschaft: Achtlos in die Natur entsorgter Müll kann über die Flüsse ins Meer gelangen. Quelle: www.pixabay.com | Autor: RitaE

Jährlich gelangen bis zu 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere. Acht Millionen davon stammen ursprünglich vom Festland und gelangen über das Flusssystem in die Ozeane. Und von dort lässt sich der Weg des Plastikmülls bis zu unserem eigenen Haushalt zurückverfolgen – der letztlich nur ein weiteres Glied in der langen Kette der beteiligten Akteure ist. 

Fragen an einen Zero Waste-Profi

Über 26.000 Follower hat Zero Waste-Aktivisten und Unternehmerin Milena Glimbovski auf Instagram. 2014 gründete sie mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne den ersten Unverpacktladen in Deutschland und gilt seither als Initialzünderin der Zero Waste-Bewegung in der Bundesrepublik. In einem Interview auf Bento verrät sie, dass auch sie nicht auf alles verzichtet, was aus Plastik ist und erklärt: „Das Problem ist eher das Plastik, was unnötigerweise verwendet wird, obwohl es tolle Alternativen gibt.“

Bento fragt außerdem was es bringt, wenn hier einige Menschen auf Plastik verzichten, während in anderen Ländern tonnenweise Kunststoff ins Meer gekippt werden. „Der eine und wichtigste Grund ist, wir haben eine Vorbildfunktion hier. Wir sind ein reiches, privilegiertes Land und wir können es uns leisten. Der zweite Grund dafür ist, ganz viel von dem Müll, der zum Beispiel in Asien in die Bäche, Flüsse und auch Meere kommt, ist unser deutscher Müll, denn wir recyceln unseren Müll nicht vollständig, sondern wir verbrennen ihn und wir exportieren ihn Millionen tonnenweise ins Ausland.“

Behaltet euren Müll!

Zu den von Glimbovski erwähnten Müllexportländern gehören viele asiatische Staaten, die den Import von Müll zum Schutz ihrer eigenen Umwelt zunehmend beschränken. Die Zeit berichtet, dass Malaysia bereits in Aktion getreten ist: „Asiatische Staaten wehren sich gegen die Plastikflut: Malaysia hat in den vergangenen Monaten nach eigenen Angaben 4.000 Tonnen Plastikmüll an wohlhabende Länder zurückgeschickt.“


Auch China hat ähnliche Pläne: „Bereits 2018 hatte China angekündigt, keinen Plastikmüll mehr einzuführen. Seitdem wird ungewollter Müll oft nach Südostasien umgeleitet, wogegen sich Malaysia und andere Schwellenländer wehren. In China wurde in einer nun veröffentlichten Verfügung das bestehende Importverbot für Plastikmüll bekräftigt“, heißt es bei der Zeit. Und das sei erst der Anfang, denn „China verbietet künftig Plastiktüten in Supermärkten und den Einsatz von Einwegprodukten aus Kunststoff in Hotels und Restaurants. Die staatliche Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) verkündete einen schrittweisen, „ehrgeizigen Plan“ zur Verringerung von Plastikmüll in den nächsten fünf Jahren.”

Müll zu Geld machen

Wenn der Müll nicht mehr nach Asien exportiert werden kann, müssen wir selbst Lösungen und Strategien finden, den Plastikkonsum einzuschränken. Daher liebäugeln die EU-Mitgliedstaaten zunehmend mit einer Plastiksteuer, wie der Spiegel berichtet: „In den EU-Mitgliedstaaten wächst die Bereitschaft, der Europäischen Union neue eigene Finanzquellen zu verschaffen. Im Rahmen der Verhandlungen über das Budget von 2021 bis 2027 sei dabei vor allem eine sogenannte Plastiksteuer im Gespräch, wie EU-Diplomaten mehrerer Länder bestätigten. Sie wollen für dieses Instrument beim Europäischen Parlament werben, das traditionell mehr Eigenmittel für die EU fordert und dem sogenannten Rahmen­budget zustimmen muss. ‚Die Plastiksteuer wäre ein erster Schritt, der EU neue Eigenmittel zu verschaffen‘, sagte Grünen-Europaparlamentarier Rasmus Andresen, einer der Parlamentsunterhändler für den Haushalt.“ So ließe sich mit der umweltschützenden Maßnahme gleichzeitig Geld machen.

Die Nachwuchsgruppe „PlastX“ hat dem Einwegplastik den Kampf angesagt: v.l.n.r.: Johanna Kramm, Heide Kerber, Carolin Völker, Tobias Haider, Lisa Zimmermann, Lukas Sattlegger.

Die Nachwuchsgruppe „PlastX“ hat dem Einwegplastik den Kampf angesagt: v.l.n.r.: Johanna Kramm, Heide Kerber, Carolin Völker, Tobias Haider, Lisa Zimmermann, Lukas Sattlegger. Quelle: privat | Autor: privat

Mehr über den Wertstoffkreislauf des Plastiks und was jeder einzelne gegen die Plastikverschmutzung tun kann, verrät Dr. Carolin Völker in unserem Interview „Wir müssen die Plastikproblematik ganzheitlich betrachten".

   

Handel in der Pflicht

Nicht nur den Konsumenten und die Politik, auch den Handel betrifft die Diskussion um Ursache und Wirkung von Plastikmüll. Daher hüllen sich immer mehr Einzelhandels-und Drogerie-Ketten in ein grünes Gewand, um der Plastikkrise zu begegnen: „Die Revolution beginnt ganz unauffällig: im hintersten Eck einer Rossmann-Filiale, in einem großen Einkaufszentrum mitten in Prag. Auf etwas mehr als einem Meter Länge sind dort acht Zapfhähne aufgebaut, dazu ein Touchscreen. Aus jedem Hahn kommt eine andere Flüssigkeit: Statt Waschmittel und Kosmetikprodukte in Wegwerfverpackungen zu kaufen, können die Kundinnen und Kunden sie hier in wiederverwendbare Flaschen füllen und so Plastikmüll vermeiden“, berichtet beispielsweise die Zeit über die nachhaltigen Bestrebungen der Drogerie-Kette.

Aus Alt mach Neu

Auch Lebensmittel- und Kosmetik-Produzenten versuchen ihren Teil beizutragen, indem sie beispielsweise ihre Produkte in Gefäßen aus recyceltem Plastik anbieten. Doch der Markt für Recycling-Verpackungen ist noch recht klein. Daher hat sich das Hamburger Unternehmen Cirplus zum Ziel gesetzt, den Markt für Recyceltes zu stärken. „Wir denken ja oft, sobald der Müll im Gelben Sack gelandet ist, wird er recycelt und landet in irgendeiner Form auch wieder in neuen Produkten", sagt Gründer Christian Schiller gegenüber dem NDR.


„Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr die Recyclingquote für Plastik deutlich angehoben: Im Jahr 2022 sollen es dann 63 Prozent sein. Auch viele Konsumenten und Konsumentinnen erwarten, dass Drogerie- und Kosmetik-Verpackungen wiederverwertet werden. Hier setzt die Idee von Cirplus an. Das kleine Unternehmen aus dem Schanzenviertel will die Industrie davon überzeugen, dass Granulat aus recyceltem Material genauso gut ist wie neues Granulat“, heißt es dazu auf NDR. Und weiter: „‚Unser Ziel ist es, den Kunststoffverarbeitern zu ermöglichen, möglichst viel recycelten Kunststoff einzusetzen, also einen Markt für recyceltes Material zu schaffen‘, sagt Schiller. Gelinge das, könnten auch die Abfälle aus der Umwelt herausgehalten werden.“ 

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