Minimal mineralisiert?

Was man über Mineralwasser wissen muss

von TapWater Digest
Sollten wir weiter Wasser aus Flaschen trinken?

Sollten wir weiter Wasser aus Flaschen trinken? Quelle: https://unsplash.com | Autor: Brian Yurastis

Das Vertrauen der Deutschen in das Produkt Mineralwasser ist groß, der Konsum in den vergangenen Jahrzehnten eklatant gestiegen. Die Annahme: Mineralwasser enthält viele für den Körper essentielle Mineralien, wird aus natürlichen Quellen gewonnen und ist weniger mit Schadstoffen belastet als das aus Grundwasser gewonnene Leitungswasser.  Doch tun wir uns mit Mineralwasser wirklich etwas Gutes?

Der Konsum von Mineral-, Tafel- und Heilwasser in Deutschland ist in den vergangenen knapp 50 Jahren stark angestiegen. Besonders gerne trinken die Deutschen die fein perlende Mediumvariante. Das Vertrauen in die Qualität von Mineralwasser scheint groß: Denn schließlich muss es „seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen“ haben und ist von „ursprünglicher Reinheit“, so die Definition des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Was steckt wirklich drin?

Mineralwasser ist nicht gleich Mineral-Wasser

Die Mineralienzusammensetzung eines Mineralwassers ist abhängig von der Quelle, der das Wasser entnommen wird. Denn der Anteil der Mineralien wird davon bestimmt, welche Erd- und Gesteinsschichten ein Wasser auf seinem Weg an die Oberfläche passiert hat. Zusätzlich beeinflussen Kontakt mit Hitze und die Fließgeschwindigkeit die Aufnahmefähigkeit von Mineralien. Im vulkanreichen Westen ist beispielsweise besonders viel Kohlensäure enthalten, sowie Magnesium und Calcium. Im Norden findet man eher höhere Sulfatwerte.

 

Verbraucher gehen davon aus, dass Mineralwasser grundsätzlich mehr Mineralien enthält als Leitungswasser. Allerdings gibt die Deutsche Mineralwasserverordnung lediglich vor, dass die Zusammensetzung des natürlichen Mineralwassers jeweils immer gleich sein muss. Nicht aber, wie hoch die Mineralienkonzentration insgesamt sein muss, damit sich ein Wasser auch Mineralwasser nennen darf. Tatsächlich enthalten viele der stillen Mineralwässer nicht wesentlich mehr Mineralien als Leitungswasser. Die aktuell im Trend liegenden teuren Importprodukte aus Norwegen oder von den Fidschi-Inseln enthalten sogar so gut wie gar keine Mineralien.

Der Mineraliengehalt eines Wassers ist maßgeblich für den Geschmack verantwortlich. Hydrogencarbonat, das Salz der Kohlensäure, neutralisiert die Säure im Wasser und wirkt sich so positiv auf den Geschmack aus. Hydrogencarbonat bindet außerdem die Magensäure und macht das Wasser besonders bekömmlich. Ein magnesiumreiches Wasser schmeckt an der Zungenspitze bitter weiter hinten am Gaumen süßlich. Sulfat erzeugt eine leicht bittere Geschmacksnote, Calcium ein trocknes Mundgefühl. Kohlensäure macht ein Wasser säuerlich, sorgt aber auch für einen erfrischenden Effekt.


Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sichert die Grundversorgung mit allen wichtigen Nährstoffen. Da die Mineralienzusammensetzung eines Mineralwassers immer gleich ist, kann es keine Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse nehmen. Es gibt aber Umstände, unter denen der Bedarf an bestimmten Mineralien steigt, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei Mangelerkrankungen, im Sommer, wenn wir viel schwitzen oder auch nach dem Sport.  Vor allem bei schweißtreibenden Tätigkeiten ist beispielsweise Calcium-Mangel ein Problem, den nicht jedes Mineralwasser ausgleichen kann.

Lokale Unterschiede im Mineraliengehalt

Widersprüchlich: Leitungswasser enthält mehr Mineralien als so manches Mineralwasser.

Widersprüchlich: Leitungswasser enthält mehr Mineralien als so manches Mineralwasser. Quelle: http://palmundenke.de/ | Autor: TapWater Digest

Unberührt, aber nicht rein

Obwohl die Mineralwasserverordnung regelt, dass Mineralwasser nur aus tiefen und besonders reinen Quellen stammen darf, kann es in der Produktions- und Transportkette vorkommen, dass eine Flasche mit Keimen kontaminiert wird. Die Gefahr der Belastung steigt, sobald eine Flasche einmal geöffnet ist. Generell ist kohlensäurehaltiges Wasser weniger betroffen, da die Kohlensäure einen positiven mikrobiellen Einfluss hat.


Gerade die Regelung, dass Mineralwasser kaum behandelt werden darf, kann problematisch sein, wenn es um Schadstoffe geht. Vor allem Uran, Arsen und Bor können sich aus dem Gestein lösen und so auf natürlichem Wege in das Lebensmittel übergehen. So fand Öko-Test im Juni 2019 in seinem Mineralwassercheck mit 53 verschiedenen Mineralwässern in zwölf der getesteten Sorten bedenkliche Inhaltsstoffe. Zwar werden in aller Regel die Grenzwerte eingehalten, doch kommt es mitunter auch zu Überschreitungen. In einem der von Öko-Test getesteten Wasser lag beispielsweise ein erhöhter Bor-Wert vor. Dabei kann die regelmäßige Aufnahme von bedenklichen Dosen solcher radionukliden Stoffen zu Organschäden führen. Uran beispielsweise greift die Nieren an.

Dazu kommt eine ganze Palette an weiteren potentiellen Schadstoffen, wie Pflanzenschutzmittel, Nitrat, Süßstoffe, Röntgenkontrastmittel und Medikamentenrückstände, die regelmäßig bei Laboruntersuchungen im Mineralwasser nachgewiesen werden. Zudem stehen die von der Mineralwasserindustrie immer häufiger verwendeten Plastikflaschen in Verdacht, schädliche Stoffe in das Wasser einzubringen. Um ein potentielles Gesundheitsrisiko einzuschränken, sollten daher Plastikflaschen vor Hitze- und UV-Einwirkung geschützt werden.

Ökologischer Pegelstand

Nach der Quellentnahme hat das Mineralwasser oft einen langen Weg vor sich, der Ressourcen verbraucht und beispielsweise durch den Transport mit LKW Schadstoffe in die Umwelt einbringt. Vor allem Importprodukte belasten unsere Natur unnötig. Nicht nur, dass deren Ökobilanz besonders miserabel ist, in Deutschland selbst gibt es ein breites Angebot von 500 Mineral- und 35 Heilwassersorten. Vor allem in Süd- und Westdeutschland sprudelt das Wasser aus unzähligen Quellen, wie beispielsweise das weltberühmte Selterswasser, dessen Name sogar synonym für Mineralwasser verwendet wird.


Doch egal ob aus dem Ausland oder Inland, für den Transport sind Glas- und Plastikflaschen nötig, die bei ihrer Produktion zusätzliche Ressourcen verbrauchen. Darüber hinaus können nicht recycelte PET-Flaschen in die Umwelt gelangen und erhebliche Schäden im Ökosystem verursachen. Manches Wasser aus PET-Flaschen hinterlässt einen merkwürdigen Nachgeschmack. Verantwortlich dafür ist ein Stoff namens Acetaldehyd. Die Substanz ist zwar gesundheitlich unbedenklich, aber genießen kann man es nicht.

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Wer der Umwelt wirklich etwas Gutes tun will, sollte auf Leitungswasser umsteigen: Der Transportaufwand über das Rohrleitungssystem ist minimal, Verpackungsmaterial überflüssig. Zudem kann man mit dem zusätzlichen Einsatz von Wasseraufbereitungsanlagen und modernen Filtrationstechniken nicht nur ein deutlich sichereres Lebensmittel erhalten, sondern auch Mineralisierung und Kohlensäuregehalt ganz an seine individuellen Bedürfnisse anpassen.

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