Kurz angestoßen mit ... Marc Schneider

Über die Ziellinie - und noch viel weiter

von Mona El Attar
Der Gobi March 2018 war auch für den erfahrenen Ultraläufer Marc Schneider eine Herausforderung.

Der Gobi March 2018 war auch für den erfahrenen Ultraläufer Marc Schneider eine Herausforderung. Quelle: https://www.icon-h2o.com/ | Autor: Marc Schneider

Die eigenen mentalen und körperlichen Grenzen zu finden, um sie dann zu überwinden: Das ist es, was Marc Schneider antreibt. Es ist die Gewissheit, dass noch lange nicht das Limit erreicht ist, die den IT-Teamleader nach der Arbeitswoche beim Wasserfiltrationsexperten ICon jedes Wochenende aus dem Bett treibt, um ein paar Kilometer zu laufen, die ihn seinen Rucksack packen und um die Welt reisen lässt. Die ihn sieben Tage lang bei Sonne und Nässe 250 Kilometer durch die Steppe der Mongolei treibt. Denn Marc Schneider ist ein Ultraläufer. Ende Juli 2018 nahm er an dem berühmten Gobi March in der Mongolei teil. Ein extremer Lauf in einem Land der Extreme.

Marc, die erste Frage, die sich wohl jeder stellt ist: Woher nehmen Sie die Motivation für einen solchen Ultralauf?

Der Gobi March ist entbehrungsreich und hart, das lässt sich nicht leugnen. Nicht alle konnten ihn beenden und auch ich bin nah an meine Grenzen gekommen, aber am Ende ist es genau das, was einen Ultralauf ausmacht: Mit jeder Herausforderung kann man über sich hinauswachsen. Und am Abend dann im Camp kann man stolz auf das zurückblicken, was man den Tag über geleistet hat. Außerdem macht mir das Laufen Spaß. Es ist ein totaler Kontrast zum digitalen Alltag und für mich ist es eine wunderbare Möglichkeit, den Kopf frei zu bekommen.

Wie bereitet man sich auf so einen Lauf vor?

Das war nicht der erste Ultralauf, den ich hinter mir habe. Natürlich muss man vor allem diszipliniert sein. Ich bin in Vorbereitung auf den Gobi March jedes Wochenende ein paar Stunden gelaufen, auch mit Gepäck. Das wichtige ist, dass man möglichst viele lange Läufe absolviert. Die Schnelligkeit ist dabei nicht mal so wichtig. Im Idealfall sollte man auch mit Höhenunterschieden und verschiedenen Temperaturen trainieren, vor allem, wenn man in ein Land wie die Mongolei fährt. Es ist ein tolles Land mit einer wunderschönen Landschaft, aber auch ein Land der Extreme. Da können im Sommer 40 Grad herrschen und im Winter schon mal -45 Grad. 

Mussten sich die Teilnehmer des Gobi March 2018 vor dem Start einem Gesundheitscheck unterziehen?

Nicht vor Ort, aber um sich anmelden zu können, ist die Vorlage eines ärztlichen Attests Pflicht. Auf Fuerteventura, wo ich auch schon einmal gestartet bin, wurde sogar ein EKG verlangt. Aber erfahrene Läufer wissen in der Regel irgendwann, ob sie körperlich und mental in der Lage sind, anzutreten. Deshalb achten wir schon im Vorfeld auf eine gute Ernährung. Und auch während des Laufs ist ein ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt unbedingt nötig, um das Laufniveau halten zu können. Darauf achten auch die Veranstalter solcher Ultraläufe. Beim Gobi March zum Beispiel waren wir verpflichtet, 2,5 Liter Trinkwasser mit uns zu führen. Wenn beim technischen Check auffiel, dass jemand versäumt hatte, seine Flasche aufzufüllen, wurde er mit einer Zeitstrafe sanktioniert. 

Tagelang war der Ultraläufer den Unwägbarkeiten der mongolischen Wüste ausgesetzt.

Tagelang war der Ultraläufer den Unwägbarkeiten der mongolischen Wüste ausgesetzt. Quelle: https://www.icon-h2o.com/ | Autor: Marc Schneider

Gab es in den Camps fließendes Wasser?

Nach jeder Etappe übernachteten wir in einem von Einheimischen aufgebauten Camp. Das waren nur Zelte, die zusammenstanden. Da gab es keine sanitären Anlagen, die Toiletten waren Löcher im Boden, und es gab auch kein Leitungswasser. Das Wasser, das wir zur Verfügung hatten, wurde in Fünf-Liter-Kanistern zu uns gekarrt. Wir haben uns dann immer mit zwei anderen Zelten einen Kanister geteilt.

Das klingt nicht so, als hätten Sie sehr verschwenderisch mit dem Wasser umgehen können.

Nein, das war verboten. Wir durften nicht einmal unsere Kleidung damit waschen. Das Wasser, das uns bereit gestellt wurde, war nur zum Trinken und für die Zubereitung unseres Essens bestimmt. Nachdem wir evakuiert worden sind, hatten wir für einen Abend dann sogar mal fließendes Wasser.

Sie wurden evakuiert?

Ja, nach der vorletzten Etappe. Es hat den ganzen Tag geregnet, die Wege waren überflutet und auch das Camp, das wir abends erreichten, war in einem sehr schlechten Zustand. Nachdem dann die letzten Läufer das Camp erreicht hatten, wurde uns gesagt, dass wir in eine Sporthalle evakuiert werden müssen. Das war dann wie ein kleiner Luxus für uns. In der Halle war es trocken, es gab elektrisches Licht und Leitungswasser. Wobei ich das in der Mongolei nicht trinken würde. Nicht, weil ich weiß, dass es verschmutzt ist, sondern weil ich nicht weiß, ob es sauber ist. Aber da konnten wir dann auch unsere Wäsche waschen.

Konnte der Lauf am nächsten Morgen dann überhaupt noch fortgesetzt werden?

Konnte er. Wir wurden zwar ein Stück der letzten Etappe gefahren, da sie am Anfang durch einen Fluss geführt hätte, der komplett überschwemmt war, aber die letzten Kilometer ins Ziel konnten wir regulär laufen. Das Schöne bei Ultraläufen ist immer, dass es am Ende nicht darauf ankommt, wer der Schnellste war, sondern darauf, dass man es geschafft hat. Die Läufer wachsen in der Woche der Entbehrungen, Schmerzen und Hochgefühle ungemein zusammen. Am Abend der letzten Etappe feiert man den gemeinsamen Erfolg. Den einen oder anderen trifft man später dann irgendwo wieder bei einem neuen Lauf mit neuen Herausforderungen und neuen Zielen. 

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