Mr. Trash Wheel und Co.

Roboter räumen unsere Gewässer auf

von Lukas Koch
Können uns Roboter auch abseits der Disney-Welt dabei helfen, unsere Erde aufzuräumen?

Können uns Roboter auch abseits der Disney-Welt dabei helfen, unsere Erde aufzuräumen? Quelle: http://www.flickr.com | Autor: Kaitlyn Dolan/Chesapeake Bay Program/ Bildausschnitt

Der Film „Wall-E“ zeichnet, verpackt in niedliche Animationen und getragen von seinem gleichnamigen liebenswerten Helden, eigentlich eine ziemlich düstere Zukunft: Unsere Konsumsucht hat endgültig ihren Tribut gefordert. Die Erde ist mit einer dicken Dreck- und Müllschicht bedeckt, die jedes Leben im Keim erstickt. Die Menschheit flüchtete längst auf autarke Raumschiffe. Auf der Erde zurück bleibt eine Armee von Aufräumrobotern. Nach 700 Jahren ist nur noch eine Robotereinheit intakt. Ihr Name: Wall-E. Unermüdlich arbeitet sie daran, die Müllwüste wieder bewohnbar zu machen. Was im Jahr 2008 als knuffige, aber eben auch dystopische Disney-Zukunftsvision in den Kinos lief, scheint heute nah wie nie. Konfrontiert mit einem unermesslichen Müllproblem, helfen uns schon jetzt Roboter dabei, unseren Müll aufzuräumen ...   

Im Pazifik schwimmt ein gigantischer Müllstrudel mit der doppelten Fläche der Bundesrepublik. Aus Thailand erreicht uns die Meldung von einem verendeten Wal mit acht Kilogramm Plastik im Magen. Man fragt sich schon: Wird die Disney-Dystopie bald Wirklichkeit? Schon jetzt helfen uns viele Roboterkollegen von „Wall-E“, die drohende Katastrophe abzuwenden.

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In den Sozialen Medien gingen unlängst diese Aufnahmen viral, die das Ausmaß der Müll-Krise am Beispiel eines Strandes der Dominikanischen Republik zeigten.

Die mechanische Raupe

Einer der bekanntesten realen Vertreter der Gattung „Reinigungsautomat“ ist „Mr. Trash Wheel“, der im Hafen von Baltimore schwimmt. Die Maschine, die wie eine plastikfressende Raupe aussieht, schaufelt mithilfe eines Laufbandes Müll aus dem Hafenbecken in ihr Inneres. Dort wird der Müll gesammelt und wartet anschließend darauf, abgeholt und recycelt zu werden.


Betrieben wird das Laufband mit einem Wasserrad und der natürlichen Strömung, die vor allem nach Regenfällen besonders stark ist. Reicht die Strömung nicht aus, liefern Fotovoltaikmodule auf dem Kopf der Maschine, gleich hinter den großen weißen Augen, die nötige Energie. Auf diese Weise wurden bisher bereits mehrere tausend Tonnen Müll aus dem Wasser gefischt. Zwei Exemplare dieses Roboters gibt es schon, ein drittes ist in Planung. In einem Live-Stream kann man ihnen bei ihrer Arbeit zusehen. (http://baltimorewaterfront.com/healthy-harbor/mr-trash-wheel-live-feed/).

Hinter dem putzigen Äußeren von „Mr. Trash Wheel“ und Filmroboter „Wall-E“ verbirgt sich ein ernstes Problem unserer Konsumgesellschaft.

Hinter dem putzigen Äußeren von „Mr. Trash Wheel“ und Filmroboter „Wall-E“ verbirgt sich ein ernstes Problem unserer Konsumgesellschaft. Quelle: https://www.flickr.com | Autor: Ravi Shah/ Bildausschnitt

Der Seemülleimer

Das mithilfe von Crowdfunding gestartete „Seabin Project“ (Seemülleimer Projekt) soll helfen, Häfen und küstennahe Bereiche vom Plastikmüll zu befreien. Der elektronische Mülleimer schwimmt dabei knapp unter der Wasseroberfläche und saugt mittels einer Pumpe Wasser und Müll über den Rand des Eimers ins Innere. Dort fängt ein feinmaschiges Netz das Treibgut auf. Etwa 1,5 Kilogramm Plastik kann der „Seabin“ am Tag schlucken bei einem Gesamtvolumen von 20 Kilogramm. Dabei kann er sogar bis zu zwei Millimeter kleine Mikroplastikpartikel aus dem Wasser entfernen. Ein feiner Filter reinigt das eingezogene Wasser zusätzlich von öligen Rückständen, bevor es ins Gewässer zurückfließt.


Die Idee zu dem aquatischen Müllsauger hatten die australischen Surfer Andrew Turton und Pete Ceglinski. Vier Jahre tüftelten sie an ihrer Idee für einen Prototypen, der nun in Serie produziert wird. Ein einzelnes Exemplar kostet 3.300 Euro und kann direkt beim Hersteller erworben werden. Aktuell läuft der Motor noch mit Benzin, was sich in Zukunft ändern soll. Kritiker bemängeln außerdem die geringe Saugkraft, die zum Schutze der Wasserbewohner jedoch nicht zu stark sein darf. Daher arbeiten die beiden Entwickler beständig daran, ihren „Seabin“ zu verbessern. 

Der „Seabin“ steckt wie viele anderer Vertreter seiner Zunft mit der Entwicklung noch in den Kinderschuhen.

Der „Seabin“ steckt wie viele anderer Vertreter seiner Zunft mit der Entwicklung noch in den Kinderschuhen. Quelle: http://seabinproject.com/ | Autor: The Seabin Project

Der gelenkte Sammler

Auch der Chicago River hat ein Verschmutzungsproblem. Das Projekt „Floating Gardens“ von Urban Rivers möchte durch die Ansiedlung von Wasserpflanzen, Fischen und anderen Lebewesen der Natur helfen, sich selbst zu heilen. Doch bevor sie ihr eigentliches Projekt starten können, muss die Hauptwasserader von Chicago erst von grobem Unrat befreit werden. Um dies zu bewerkstelligen, hatte das Urban Rivers-Team eine innovative Idee: ein Müllroboter, der ferngesteuert werden kann. Von jedem.


Äußerlich einem kleinen Miniboot ähnelnd, mit seitlichen Schaufelarmen an der Vorderseite, soll der „Trash Robot“ via Internet von Usern über den Fluss gelenkt werden. Der gesammelte Abfall wird dann von Menschenhand sortiert und entsorgt. Eine Kickstarter-Kampagne brachte für die Umsetzung der Vision die nötigen Mittel zusammen. Der Prototyp befindet sich aktuell noch in der Entwicklung.

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Was bringt die Zukunft?

So weit wie bei „Wall-E“ ist es noch nicht gekommen. Unser Planet ist weiterhin bewohnbar und von autarken Raumschiffstationen sind wir noch weit entfernt. Auch die Funktion und das Design der Aufräumroboter unserer Tage ist bei weitem noch nicht so ausgeklügelt wie im Disney-Animationsfilm. Noch bietet keiner dieser technischen Ansätze eine umfassende Lösung für die Umweltkrise, auf die wir zusteuern.

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