Trinkwasserversorgung

Leitungswasser – ein Tröpfchen Heimat in meinem Wasserglas

von Katharina Trautvetter
Wasser aus den Alpen ist zwar natürlich sehr rein, enthält aber tendenziell wenige Mineralien.

Wasser aus den Alpen ist zwar natürlich sehr rein, enthält aber tendenziell wenige Mineralien. Quelle: www.pexels.com | Autor: Adrian Lang

Wer in Nordostdeutschland wohnt, wird mit Entkalkungsmethoden sehr vertraut sein. Denn hier ist das Leitungswasser vergleichsweise hart. An der Nordsee dagegen ist es besonders weich. In Gebirgsregionen schwören die Bewohner auf die besondere Reinheit ihres Wasser. Woher kommen diese Unterschiede? Und sind sie wirklich so groß?

Dass Leitungswasser regionale Besonderheiten aufweist, liegt zum einen in seinem Gewinnungsprozess begründet. Denn Versorger beziehen ihr Rohwasser aus unterschiedlichen Quellen, abhängig davon, welche vor Ort zur Verfügung stehen. In der Regel besteht das Rohwasser aus einem Gemisch aus Grund-, Quell- und Oberflächenwasser sowie Uferfiltraten. Mit etwa 60 Prozent hat Grundwasser im Schnitt den höchsten Anteil am deutschen Leitungswasser. Bei dem Versorgungsunternehmen Hessenwasser liegt er sogar bei 95 Prozent. Die Bodensee-Wasserversorgung dagegen bezieht ihr Wasser hauptsächlich aus dem namensgebenden Bodensee. Auf Langeoog sichert eine große Süßwasserblase unter der Insel die Trinkwasserversorgung. 

Wie der Geschmack ins Wasser kommt

Alleinstellungsmerkmal: Der Wasserturm, das Wahrzeichen von Langeoog ist längst stillgelegt. Die Süßwasserblase unterhalb der Insel versorgt die Bewohner weiterhin mit Trinkwasser, während andere Ostseeinseln ihr Wasser über Fernleitungen geliefert bekommen.

Alleinstellungsmerkmal: Der Wasserturm, das Wahrzeichen von Langeoog ist längst stillgelegt. Die Süßwasserblase unterhalb der Insel versorgt die Bewohner weiterhin mit Trinkwasser, während andere Ostseeinseln ihr Wasser über Fernleitungen geliefert bekommen. Quelle: www.pixabay.com | Autor: reginasphotos

Grundwasser ist also ein wesentlicher Faktor für die Beschaffenheit des Leitungswassers einer Region, Gemeinde oder Stadt. Das Wasser selbst ist wiederum das Ergebnis eines Jahrzehnte dauernden Prozesses. Grundwasser entsteht, wenn Regenwasser im Boden versickert. Dort passiert es unterschiedliche Erd- und Gesteinsschichten, abhängig von den jeweiligen lokalen geologischen Bedingungen. Dabei wird ein natürlicher Filterprozess in Gang gesetzt, der dem Wasser Schadstoffe entzieht. Gleichzeitig nimmt das Wasser auf seinem Weg durch den Untergrund verschiedene Spuren- und Mineralstoffe auf. Gips oder Kalkstein geben beispielsweise viel Calcium und Magnesium in das Wasser ab und sorgen für einen hohen Härtegrad.

Doch nicht nur diese hydrochemischen, auch hydrogeologische Gegebenheiten wie Sickertiefe und -geschwindigkeit, die Temperatur des Wassers sowie dessen Verweildauer in den Grundwasserspeichern beeinflussen die Konzentration der einzelnen Inhaltsstoffe. Und genau diese spezifische Zusammensetzung eines Wassers entscheidet über den Geschmack. Denn Mineralien und andere Spurenstoffe sind nicht nur essenzielle Nährstoffe für unseren Körper, sondern auch Geschmacksträger. 

    

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Kostbare Vielfalt

Deutschland weist eine große geografische Vielfalt auf. Hier gibt es nicht nur Wiesen und Wälder, sondern auch Vulkanlandschaften, Küstengebiete, Flusstäler oder Gebirge wie die Alpen. Diese Landschaften lassen sich anhand ihrer hydrogeologischen Beschaffenheit in verschiedene Regionen unterteilen. In Gegenden mit großen Tonschiefervorkommen wie im Harz oder im Rheinischen Schiefergebirge enthält das Grundwasser kaum gelöste Stoffe und ist wegen der geringen Calcium- und Magnesiumkonzentration meist weich. 

In Flachland- und Schottergesteinsregionen wie dem Alpenvorland dagegen, nimmt das Wasser auf seinem Weg durch die Talsand- und Schotterflächen relativ viele Mineralstoffe auf und ist daher auch sehr hart. In Küstenregionen (Seemarschen) schwanken Härtegrad und Mineraliengehalt stark. Eigentümlich für das Wasser ist hier jedoch der relativ hohe Chlorgehalt, der auf die Küstenversalzung zurückzuführen ist. In der Theorie muss man sich also nur über die geologischen Bedingungen seiner Heimat informieren, um mehr über die Zusammensetzung des Leitungswassers seiner Heimat zu erfahren. Doch ganz so einfach ist es in der Praxis nicht.

Der weite Weg des Wassers

Statt das Trinkwasser einfach der Isar zu entnehmen, lässt sich München sein Wasser beispielsweise aus dem Voralpenland liefern. Nicht weniger als drei Gewinnungsstätten werden hier bemüht: Das Mangfalltal, das Loisachtal und als Reserve die Münchner Schotterebene. Denn das Grund- und Quellwasser in den relativ dünn besiedelten Gebieten des Münchner Vorlandes hat eine deutlich bessere Qualität als das in der bayerischen Hauptstadt selbst. Die Stadtwerke sparen so Kosten für die Trinkwasseraufbereitung, denn das 40 Kilometer entfernte Mangfalltal liefert Rohwasser das nahezu Trinkwasserqualität hat.

Da in vielen Siedlungsgebieten das Grundwasser aufgrund von Nitrat- und andere Schadstoffbelastungen eine schlechte Qualität aufweist oder die vorhandenen Speicher nicht ausreichen, um die Gemeinden zu versorgen, ist München keineswegs ein Einzelfall. Gerade Waldflächen liefern von Natur aus besonders hochwertiges Rohwasser. Waldwasser füllt sogar 70 Prozent unserer Trinkwasserspeicher in Deutschland auf. Es überrascht daher nicht, dass der Zweckverband Wasserversorgung Bayerischer Wald in Deggendorf mit seinen 118 Kunden ein beliebter Fernwasserversorger in Südostdeutschland ist.

Ein Fernwasserlieferant der Superlative ist der in den 1950er-Jahren gegründete Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung mit Sitz in Stuttgart. Über ein knapp 1.700 Kilometer langes Rohrleitungsnetz werden jährlich 130 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in 320 Städte und Gemeinden transportiert. Insgesamt werden so über vier Millionen Baden-Württemberger versorgt. Trotzdem schmeckt das Wasser in Freiburg anders als das in Stuttgart oder Heidelberg. Denn die Versorger in den vor Ort vermischen das Bodensee-Wasser mit anderen Rohwasserquellen aus der jeweiligen Gegend.

Das Wasser aus dem Bodensee stammt aus den Alpenzuflüssen und wird über ein 1.700 km langes Rohrnetzwerk sogar bis an die hessische Grenze geliefert.

Das Wasser aus dem Bodensee stammt aus den Alpenzuflüssen und wird über ein 1.700 km langes Rohrnetzwerk sogar bis an die hessische Grenze geliefert. Quelle: www.pixabay.com | Autor: Lars Nissen

Wem gehört das Wasser?

Wieviel Wasser dem Bodensee entnommen werden darf, ist streng reguliert. So soll sichergestellt werden, dass nicht mehr Wasser verloren geht, als durch die Gebirgsströme zufließt. Trotzdem ruft die Fernwasserpraxis nicht überall Begeisterung hervor. In Frankfurt am Main tobt ein regelrechter Wasserkrieg zwischen der Stadt auf der einen Seite und Umweltschützern und Bewohnern aus dem Vogelsberg andererseits. Denn aus dieser Gegend beziehen die Frankfurter Stadtwerke einen Großteil des Rohwassers. 

Während der Fernwasseranbieter Hessenwasser (zurecht) die gute Qualität des Wassers aus seinen Gewinnungsstätten lobt, echauffieren sich Umweltverbände unter anderem darüber, dass die Stadt ihre durstigen Bäume nicht mit Mainwasser, sondern mit dem importierten Trinkwasser gießt und das kostbare Gut bei den Städtern sprichwörtlich im Klo heruntergespült wird. 

Die öffentlich geführte Diskussion zeigt: Die Umweltschützer wollen den Frankfurtern das hervorragende Vogelsberg-Wasser nicht neiden, doch wünscht man sich einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Ressource, indem beispielsweise wenigstens für das Brauchwasser die Wasserspeicher der Stadt bemüht werden. Denn die natürliche Trinkwasserqualität des Wassers aus dem Vogelsberg ist nur gegeben, so lange die Natur dort intakt bleibt. Und genau die sehen die Naturschützer durch die Frankfurter Trinkwasserpraxis in Gefahr.

In der Mainmetrople ist nach den trockenen Sommern 2018 und 2019 der Streit um die Nutzung von Trinkwasserreserven bereits in vollem Gange.

In der Mainmetrople ist nach den trockenen Sommern 2018 und 2019 der Streit um die Nutzung von Trinkwasserreserven bereits in vollem Gange. Quelle: www.pixabay.com | Autor: Jan-Philipp Thiele

Geschmäcker sind verschieden

Wie finde ich nun heraus, wie das Wasser aus meinem Hahn zusammengesetzt ist, wo es am besten schmeckt oder wo das Leitungswasser die beste Qualität hat? Die geologischen Bedingungen vor Ort liefern einige Indizien. Tendenziell darf ein Alpenbewohner mit natürlich reinerem Wasser rechnen als ein Bewohner der niedersächsischen Agrarlandschaft. Da die jeweiligen Wasserwerke aber letztlich für die Qualität des Leitungswassers verantwortlich sind und diese durch gesetzliche Schadstoffgrenzen einheitlich reguliert ist, erhalten beide am Ende ein an diesen Standards gemessenes sicheres Lebensmittel. 

Trotzdem können der Geschmack und die Zusammensetzung eines Wassers sogar innerhalb einer Stadt variieren, sofern es dort unterschiedliche Anbieter gibt. Bei LUQEL kann man sich über die Trinkwasserzusammensetzung einzelner Städte informieren. Der WDR bietet für Nordrhein-Westfalen einen Service, der über die Postleitzahl Trinkwasseranalyseergebnisse liefert. Alternativ kann man sich bei den örtlichen Stadtwerken schlau machen, die Angaben dieser Art in der Regel auf ihren Online-Präsenzen zur Verfügung stellen. 

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