Kunststoffe

Kinder mit Weichmachern belastet

von Mona El Attar
Weichmacher machen Kunststoffe elastisch.

Weichmacher machen Kunststoffe elastisch. Quelle: www.pixabay.com | Autor: Alexas_Fotos

Man findet sie in Kleidungsstücken, Kunststoffbehältern, in Kinderspielzeug, im Hausstaub und unserem Trinkwasser: Weichmacher. Sie umgeben uns praktisch immer und überall. In einer kürzlich veröffentlichten Studie des Umweltbundesamtes in Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut schlagen Wissenschaftler Alarm: Weichmacher sind mittlerweile vor allem im Blut und Urin von Kindern und Jugendlichen zu finden. Aber wie gelangen die giftigen Substanzen in den menschlichen Körper?

Die ersten Ergebnisse der Studie sind alarmierend: Nahezu alle getesteten Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren sind mit Weichmachern belastet. Größtenteils fanden sich in den Urin- und Blutproben der Probanden sogenannte Phthalate. Das sind schwerflüchtige Phathalsäureester, die von Plastikherstellern bevorzugt als Weichmacher verwendet werden. Einige von ihnen haben sich in den Jahrzehnten der Anwendung als gesundheitlich bedenklich erwiesen und wurden verboten oder reguliert.

Für die verbotenen Weichmacher wurden oftmals Ersatzstoffe entwickelt, die teilweise nicht kennzeichnungspflichtig sind, jedoch im Verdacht stehen, ebenfalls eine schädigende Wirkung auf Mensch und Umwelt zu haben. In der Studie konnte das Umweltbundesamt nachweisen, dass sich einige Ersatzstoffe zuverlässig im menschlichen Körper anreichern: So wurden die Stoffwechselprodukte des Phthalat-Ersatzstoffes DINCH (Di-(iso-nonyl)-cyclohexan-1.2-dicarboxylat) bei 97 bis 100 Prozent der getesteten Kinder nachgewiesen. Andere Stoffe hingegen, die mittlerweile verboten oder reguliert worden sind, hatten im Vergleich zu früheren Studien des Umweltbundesamtes aus den Jahren 2003 bis 2006 und 2014 bis 2017 abgenommen. So sank die Konzentration der im Jahr 2001 weltweit verbotenen Chlorverbindung PCB (Polychloriertes Biphenyl) im getesteten Urin und Blut drastisch.


Im folgenden Video werden die ersten Ergebnisse der Studie kurz zusammengefasst:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/gDcoNs7mdm4

Quelle: United Creators PMB GmbH

Recycling-Codes geben Aufschluss

Weichmacher werden – wie der Name schon impliziert – dafür eingesetzt, um spröde Materialien weicher und langlebiger zu machen. Das Problem: Sie gasen aus und lassen sich leicht lösen. Dabei sind Fette, Öle und auch Speichel gute Mittel, um die Phthalate aus den Kunststoffen zu extrahieren. Auf diese Weise konnten in einer separaten Studie von Stiftung Warentest auch in Speiseöl oder Lebensmitteln Weichmacher identifiziert werden.

Für Kinder stellt vor allem Spielzeug eine große Aufnahmequelle dar, weshalb Verbraucher beim Kauf unbedingt auf Kennzeichnungen wie den Recycling-Code oder Kürzel wie „PC“ achten sollten. Diese geben Aufschluss darüber, welche Kunststoffe verwendet wurden. So verrät der Recycling-Code-7 beispielsweise, dass sich Polycarbonat (PC) und/oder Polyamid (P) in dem Produkt befinden. Polycarbonat ist ein Reaktionsprodukt von Bisphenol A, dem eine hormonveränderte Wirkung nachgewiesen werden konnte. Deshalb sollte man Kunststoffe mit dem Recycling-Code-7 oder dem Kürzel „PC“ vermeiden. Auch sollten Lebensmittel in Behältern mit dieser Kennzeichnung nicht aufgewärmt werden. Bei chemischen Untersuchungen von PET-Flaschen, in welchen Mineralwasser verkauft wird, wurde keine erhöhte Konzentration von Phthalaten nachgewiesen.

In Trinkbechern, Plastikgeschirr oder Innenbeschichtungen von Konservendosen hingegen fanden Prüfer laut Bundesinstitut für Risikobewertung das hormonell wirksame Bisphenol A. Wasser, das aus solchen Behältern getrunken wird, ist daher potienziell gefährdet, sich mit Phthalaten anzureichern. Mit dem Urin, der Reinigung von PVC-Böden oder dem Waschen von PVC-haltiger Kleidung gelangen die schädlichen Substanzen in unser Abwasser. In den Kläranlagen lagern sie sich größtenteils im Klärschlamm ab. Bringen Landwirte diesen Klärschlamm auf ihren Feldern aus, gelangen die Phthalate in den Boden – und damit auch ins Grundwasser. Um Weichmachern so gut es geht zu entgehen, empfiehlt sich, generell auf Plastikprodukte zu verzichten, denn nicht nur Weichmacher stellen ein gesundheitliches Risiko dar, sondern auch Mikroplastikpartikel


Mehr zu den verschiedenen Recycling-Codes finden Sie hier: Verbraucherzentrale

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